Besuch des Kinderparlamentes im Friedensdorf International in Oberhausen am 27./28.01.2018

Besuch des Kinderparlamentes Hilden im Friedensdorf International in Oberhausen am 27.01. /28.01.2018

Eine Gruppe von 22 Kinderparlamentarier*innen der unterschiedlichen Arbeitskreise des Kinderparlamentes Hilden, im Alter von 8-13 Jahren, besuchten Ende Januar 2018 das Friedensdorf International.

Dieser Besuch fand im Rahmen eines sogenannten Seminars mit einer Übernachtung statt, mit dem Hintergrund, dass die Kinder des Kinderparlamentes und die jungen Heimbewohner sich besser kennenlernen konnten.

Im April 2017 kam es bereits zu einem Kontakt zwischen einer anderen Gruppe von Kinderparlamentarier*innen und Heimbewohner*innen, allerdings nur für einige Stunden, so dass sich wenig Gelegenheit für einen ausführlicheren Austausch ergab.

Die Kinder bedauerten dies und so entstand die Idee, dass ein erneuter Besuch – diesmal mit Übernachtung – sinnvoll und interessant wäre.

Beim 1. Besuch im April 2017 übergaben die abgeordneten Mitglieder des Kinderparlamentes einer Mitarbeiterin des Friedensdorfes eine Spende von 1100,- €. Diesen Betrag hatten die Kinderparlamentarier*innen über einen Zeitraum von drei Tagen, im Rahmen eines eigenen Weihnachtsmarktstandes (Dezember 2016), durch den Erlös eines Weihnachtsplätzchenverkaufs eingenommen. Die Kekse hatten die Kinder mit ihren Eltern zuvor- November – Dezember 2016- gemeinsam gebacken.

So wird deutlich, dass sich das Kinderparlament nun bereits seit Dezember 2016 aktiv mit dem Projekt Friedensdorf beschäftigt.

Zum Ablauf des Besuchs:  Samstag

Wir starteten am Samstag, den 27.01.2018 um 09.30 Uhr mit 22 Kindern und zwei Erwachsenen vom Weidenweg in Hilden mit einem Reisebus in Richtung Oberhausen, mit dem Ziel „Friedensdorf International.“

Alle Kinder hatten reichlich an Sachspenden mitgenommen, und es entstand der Anschein, dass sie ihre Kleiderschränke und Kinderzimmer leergemacht hätten. Der Gepäckraum des Reisebusses platzte aus allen Nähten, so dass wir noch Tüten und Kleidersäcke in den Fahrgastraum mitnehmen mussten. Die Eltern berichteten stolz, dass es ihren Kindern so wichtig gewesen sei Kleidung und Spielsachen für die Heimbewohner*innen mitzunehmen ,und sie hatten sich sogar von liebgewonnenen Spielzeug gerne getrennt. Einige Kinder hatten auch Musikinstrumente mitgenommen, da es auch die Idee des gemeinsamen Musizierens gab.

Bei der Ankunft um 10:30 Uhr wurden wir durch vier Mitarbeiter*innen des Friedensdorfes sehr herzlich empfangen. Rebecca Wenzel und Jonas waren unsere Ansprechpartnerin für die folgenden zwei Tage. Sie sind hauptamtliche Mitarbeiter*innen im Friedensdorf und zuständig für die Betreuung der Besucher*innen. Zuerst wurden wir in der Begegnungsstätte herumgeführt und mit den alltäglichen Dingen wie Küchen- Aufenthaltsraumnutzung und Zimmerbelegung sowie den Hausregeln vertraut gemacht.

Danach bezogen wir die Zimmer. Es gab Etagenbetten in den Räumen mit zum Teil acht Schlafmöglichkeiten. Die Zimmereinteilung fand schon in Hilden statt, so dass es vor Ort dann alles recht problemlos war.

Im Friedensdorf ist es so geregelt, dass die Besuchergruppen immer in der Begegnungsstätte übernachten sowie die Mahlzeiten dort einnehmen und ihre Freizeitgestaltung und Seminare ebenfalls dort stattfinden. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Privatsphäre der Kinder des Friedensdorfes so gewährleistet ist und sie nicht ständig den Blicken der Besuchergruppen ausgesetzt sind.

Nachdem alle organisatorischen Dinge erledigt waren und die Gruppe sich im Haus orientiert hatte, wurden wir von Rebecca und Jonas abgeholt und bekamen eine Heimführung, aber ausschließlich durch die Außengelände und Gemeinschaftsräume, denn auch hier gilt die Privatsphäre der Kinder zu schützen.

Wir erfuhren, dass das Friedensdorf, durch Spenden ermöglicht, demnächst ein kleines eigenes OP -Zentrum erhält. Rebecca erklärte, dass es nicht mehr so viele Freibetten für die jungen Patienten in den Kliniken gäbe, so dass die Idee entstand kleinere Op‘s im Friedensdorf durchzuführen.

Wir schauten uns das Lernhaus an. Es wird so genannt, weil es keine übliche Schule ist und die Kinder nur bedingt am Unterricht teilnehmen können. Es handelt sich um einen Raum, der von den Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen freundlich gestaltet wurde und mit Schulpulten und einer Tafel ausgestattet ist- alles ist aus Spenden finanziert. Zusätzlich gibt es auch noch weitere Räume, in denen die Kinder kreativ sein können.

Später wurden wir über den „Marktplatz“ geführt. Der ist sozusagen der Mittelpunkt des Außengeländes des Friedensdorfes. Hier spielen die Kinder in ihrer Freizeit, aber auch Feste, Floh- und Weihnachtsmärkte, die für alle Interessierten geöffnet sind, werden veranstaltet. Zusätzlich gibt es einen großen Sportplatz, der für die Freizeitaktivitäten der Kinder gut geeignet ist.

Neben dem Wohntrakt der älteren Kinder befindet sich das Gebäude, in dem nur die ganz kleinen Kinder wohnen. Das Alter der Heimbewohner*innen bewegt sich zwischen wenigen Monaten und 13 Jahren.

Nachdem der Rundgang beendet war, versammelten wir uns im großen Gruppenraum der Begegnungsstätte. Rebecca und Jonas erklärten uns den Tagesablauf. Sie hatten für uns ein Wochenendprogramm vorbereitet. Zu Beginn klärten sie uns über die Situation der Heimbewohner*innen.

Die Kinder kämen z.B. aus Angola und Afghanistan. Es können Länder sein, in denen Kinder durchs Kriegshandlungen verletzt oder traumatisiert sind z.B. durch den Verlust des Heims oder auch eines Familienmitgliedes. Manchmal seien es auch Krankheiten, die in den Heimatländern der Kinder aufgrund von mangelnder oder fehlender Gesundheitsfürsorge bzw. Fehlen von Ärzten dort nicht behandelt werden könnten. Es seien oft Knochenentzündungen, die aus älteren Wunden herrühren und sich wieder entzünden oder einfach nicht heilen würden. Wir wurden auch darüber aufgeklärt, dass die Arbeit des Friedensdorfes nach dem Vietnamkrieg begonnen habe, und dass viele Menschen privat, oder auch Stiftungen wie die Wolfgang – Hamann Stiftung und der Lions- Club Hilden das Friedensdorf bereits über Jahrzehnte schon unterstützen.

Die meisten Spenden würden von Privatspendern aus Japan kommen. Das habe den Hintergrund, dass vor vielen Jahren eine japanische Journalistin im Friedensdorf zu Besuch gewesen sei und sich sehr beeindruckt von dem Einsatz der Mitarbeiter*innen des Friedensdorfes gezeigt habe. Sie habe daraufhin in einer japanischen Zeitung über ihre Erfahrungen und Eindrücke im Friedensdorf geschrieben. Das habe eine große Anzahl von Japanern dazu gebracht seitdem regelmäßig und über viele Jahre hinweg an das Friedensdorf zu spenden. Möglicherweise könne das mit den eigenen Erfahrungen der Japaner durch die traumatischen Ereignisse während des 2. Weltkrieges in Zusammenhang stehen, berichteten die Mitarbeiter*innen.

Die Kinderparlamentarier*innen hatten in dieser Gesprächsrunde nun die Gelegenheit Fragen zu stellen oder über das zu berichten, was sie bereits selbst recherchiert hatten. Sie wussten z.B. schon im Vorfeld aus welchen Ländern die Kinder stammen und um welche Verletzungen es sich handelt. Das hatten wir zum Teil auch schon im letzten Arbeitskreis besprochen. Einige Kinder kannten auch die Umstände Betroffener bereits aus den Kindernachrichtensendungen.

Die Mitarbeiter*innen waren begeistert von dem Interesse und dem Wissen der Kinder und deren klugen Fragen und Beiträge. Das wurde uns wiederholt bestätigt.

Ein Kinderparlamentsmitglied fragte, wie es mit der Kleidung der Friedensdorfkinder sei- woher die käme.

Die Mitarbeiterin, Rebecca, erklärte, dass alle Kinder Spendenkleidung tragen würden. Ihnen würde die Kleidung aber täglich von den Mitarbeiter*innen zugeteilt. Sie dürften sie nicht selbst auswählen, da so dem Neid untereinander vorgebeugt werden würde. So fiele es den Kindern in ihrem Heimatland auch nicht mehr so schwer mit dem Wenigen dort wieder auszukommen. Jedes Kind dürfe aber einen Koffer mit Kleidung und Spielsachen bei seiner Abreise mit in sein Heimatland nehmen.

Ein anderes Kind fragte, auf welchem Weg die Kinder hierhergebracht würden und wer sie für den Aufenthalt auswählt.

Der Friedensdorfmitarbeiter, Jonas, erklärte, dass sie durch Spendengelder die Möglichkeit hätten ein ganzes Flugzeug nur für den Transport der Kinder zu chartern. Es gebe eine Kooperationsinstitution in den Heimatländern der Kinder, die mit dem Friedensdorf im engen Kontakt stehe, und die Kinder auswählen, die es am Nötigsten hätten ausgeflogen zu werden.

In der Regel sei es so, dass die Flugzeuge 1- 2x im Jahr fliegen würden. Die Kinder, die im Friedensdorf gesund geworden seien, würden dann auf dem Hinflug in das jeweilige Land von hier mitgenommen und Mitarbeitern der Partnerorganisation vor Ort anvertraut. Diese würden dann die Rückführung der Kinder in ihre Familien organisieren. Auf dem Rückweg nach Deutschland würden dann neue Kinder aufgenommen werden.

Eine weitere Frage war, ob die Kinder denn auch wieder nach Hause wollen, wenn sie solange hier waren. Es ging um die Frage der Entwöhnung.

Rebecca bestätigte, dass alle Kinder Sehnsucht zu ihren Familien hätten und da sie die Kinder hier nicht an Luxus, wie teures Spielzeug und angesagte Kleidung gewöhnen würden, würde ihnen die Rückkehr in ihre alte Umgebung nicht schwer fallen. Sie wissen aber auch um die Chance, die sie in Deutschland haben und können dadurch in der Regel die Trennung besser verkraften.

Ein Kind fragte nach der Ernährung der Kinder.

Jonas erklärte, dass die Kinder teilweise keine normale feste Nahrung zu sich nehmen könnten, da sie Verbrennungen oder Verätzungen oder andere Krankheiten im Magen -Darm Bereich oder in der Speiseröhre haben, oder aber auch unser gewöhnliches Essen nicht vertragen würden. Es wird auf die Kinder Rücksicht genommen und sie bekämen besondere Nahrung, die sie vertragen können.

Zudem würden nicht alle Menschen, die aus anderen kulturellen oder religiösen Zusammenhängen die gleichen Lebensmittel z.B. Schweinefleisch essen.

Ein Kinderparlamentarier interessierte sich für die Feste, ob z.B. Weihnachten, Geburtstage gefeiert wird.

Rebecca antwortete darauf, dass es keine Feste geben würde, die die Kinder aus ihren unterschiedlichen Heimatländern mit den verschiedenen Sitten und Gebräuchen kennen würden.

Da sie aus solch verschiedenen Ländern kommen würden, würde es gar nicht zu leisten sein all diese Feste zu feiern.

So hätten sich die Mitarbeiter*innen entschieden ein eigenes Fest für alle Kinder zu erfinden und zu feiern- das Friedensdorffest.

Alle Kinder bekämen dann das gleiche Geschenk und es wird gemeinsam gefeiert. An alle das gleiche Geschenk zu vergeben habe den Hintergrund, dass die Kinder somit keinen Neid entwickeln würden.

Rebecca klärte uns auch darüber auf, dass die Friedensdorfkinder keine so großen Ansprüche an Spielsachen stellen würden. Ihr sei aufgefallen, dass die Kinder gerne mit Materialien, die sie draußen finden spielen würden. Sie seien dabei sehr phantasievoll. In ihrer Heimat spielen sie wohl auch eher mit Dingen, die sie in der Natur finden würden. Das habe aber natürlich zusätzlich auch mit der wirtschaftlichen Situation der Familien zu tun. Sie seien überwiegend sehr arm und könnten somit den Kindern auch keine Spielsachen kaufen.

Nach dieser Informations- und Gesprächsrunde kam der Moment, an denen wir die jungen Heimbewohner*innen treffen würden.

Am Nachmittag kamen wir wieder zusammen und aßen gemeinsam mit den Friedensdorfkindern selbstgebackene Waffeln im Speisraum der Begegnungsstätte.

Im Anschluss hatten wir noch eine gemeinsame Zeit des Spielens miteinander in der Begegnungsstätte.

Da zwei Kinderparlamentarier eigene Musikinstrumente ( Keyboard und Posaune ) mitgenommen hatten, entstand sehr schnell eine laute, lustige und musikalisch bunte Session.

Die Friedensdorfkinder stimmten mit Congas und anderen Rhythmusgeräten ein, so dass es fast so etwas wie ein Konzert ergab.

Die Musik brachte die Kinder näher zueinander und der Spaß daran war ihnen anzusehen.

Später entwickelten sich auch andere Spiele miteinander wie z.B. Armdrücken, oder gemeinsame Tischspiele.

Gegen den späten Nachmittag verließen uns die Heimbewohner*innen wieder, um in ihren Wohnbereich zu gehen und um zu Abend zu essen.

Auch wir bereiteten das Abendessen, das aus Brot und Belag als Büfett gereicht wurde, zu.

Danach hatten wir als Gruppe die Möglichkeit die Freizeit bis zur Nachtruhe in der Begegnungsstätte mit Spielen oder Gesprächen zu verbringen.

Gegen 22.30 Uhr waren die letzten Kinder so allmählich in ihren Zimmern. Es dauerte dann noch eine Weile bis das letzte Kind schlief.

Sonntag:

Der 2. Tag startete mit dem Frühstück um 08.30 Uhr. Im Anschluss räumten wir unsere Zimmer und die Gemeinschaftsräume auf und packten unsere Taschen.

Nachdem das erledigt war, hatten die Kinderparlamentarier*innen noch einmal Zeit mit den Friedensdorfkindern auf dem Marktplatz zu spielen. Der Kontakt zueinander war nun noch selbstverständlicher als am Tag zuvor.

Nachdem die Heimbewohner*innen uns wieder verließen, kamen wir noch einmal zum Abschluss mit Rebecca und Jonas und 2 Praktikantinnen im Gruppenraum zusammen.

Die Kinderparlamentarier*innen berichteten von ihren Eindrücken und waren sich letztlich einig, dass dieses Wochenende ihnen viel Spaß gemacht hat und ihnen auch noch einmal klar wurde, wie viel die Friedensdorfkinder bereits erlebt haben und wie sie sich fühlen müssen so weit von zu Hause und der Familie entfernt und getrennt zu sein. Sie hatten sehr viel Mitgefühl für die Kinder des Friedensdorfes entwickelt und waren sehr froh dieses Wochenende dort verbracht zu haben. Sie waren auch voll des Respekts für die Kinder, dass sie trotz ihres Schicksals doch auch so fröhlich sein konnten. Den Kindern wurde auch noch einmal bewusst was sie zu selbst besitzen und wie selbstverständlich alles zur Verfügung steht.

Rebecca und Jonas machten den Kinderparlamentarier*innen zum Schluss noch ein sehr großes Kompliment.

Sie sagten, dass wir die erste Gruppe gewesen seien, die mit so jungen Menschen dort zu Besuch war. Normalerweise kämen ältere Jugendliche oder Erwachsene in das Friedensdorf. Die Kinder seien auch so natürlich und unbefangen gewesen, was ihnen auch viel Spaß gemacht und weitere Zuversicht für ihre Arbeit gegeben habe.

Sie lobten die Kinder dafür, dass sie so kluge Fragen und Anmerkungen gehabt hätten und so aufmerksam und interessiert am Schicksal und Leben der Heimbewohner*innen gewesen seien. Zudem wären sie auf den Besuch auch gut vorbereitet gewesen.

Den Kindern wurde auch während des Aufenthaltes vermittelt, dass alles was sie dort sehen könnten, durch Spenden von Privatpersonen, oder Institutionen und Stiftungen finanziert werden würde und daher alles sehr achtsam behandelt werden sollte. Das haben die Kinder während des Aufenthaltes auch verinnerlicht.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Kinder ein sehr interessantes, ereignisreiches und schönes Wochenende im Friedensdorf verbracht haben und einige von ihnen sicher noch länger darüber nachdenken werden.

An dieser Stelle sei der Wolfgang- Hamann – Stiftung ganz herzlich vom Kinderparlament Hilden dafür gedankt, dass sie den Kindern diese Erfahrung durch den Besuch im Friedensdorf ermöglicht hat.

Susanne Hentschel

 

 

 

 

Über Susanne Hentschel

Ich bin seit Oktober 2015 die neue Koordinatorin des Hildener Kinderparlamentes. Ich arbeite als Sozialpädagogin bei der Stadt Hilden im Amt für Jugend, Schule und Sport in der Abteilung Jugendförderung.
Dieser Beitrag wurde unter Öffentlichkeits Arbeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.